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IHK-Außenwirtschaftstag NRW war voller Erfolg

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Eröffneten den IHK-Außenwirtschaftstag in den Westfalenhallen (v.l.): Peter Großmann (TV-Moderator), Reinhard Schulz (IHK-Hauptgeschäftsführer Dotmund), Dr. Hubertine Underberg-Ruder (Beiratsvorsitzende der Semper idem Underberg GmbH), Dr. Michael Arretz (KiK-Geschäftsführer), Thomas Fehlings (TECE-Geschäftsführer, Dr. Günther Horzetzky (NRW-Staatssekretär), Udo Dolezych (Präsident der IHK zu Dortmund) und Dr. Theo W. Freye (Sprecher der Geschäftsfühführung der Claas KGaA mbH). (Foto: IHK zu Dortmund)

IHK-Präsident Udo Dolezych (r.) erwartet Rückenwind für die Exportwirtschaft. Der Dortmunder IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz (l.)sagte Unternehmen Hilfe von der Kammer bei der Erschließung internationaler Märkte zu. (Foto: Schmitz)

Aktuelle Informationen, Gespräche, Workshops und interkulturelle Trainings waren die Themenschwerpunkte bei der größten und wohl wichtigsten Außenwirtschaftsveranstaltung Deutschlands in diesem Jahr. Am 13. September veranstalteten die 16 Industrie- und Handelskammern des Landes Nordrhein-Westfalen unter dem Motto „Weltweiser: Wege zum internationalen Erfolg“ den 7. IHK-Außenwirtschaftstag NRW in den Dortmunder Westfalenhallen. Einige Zahlen: 800 Teilnehmer, 70 Aussteller, 50 Vertreter der Deutschen Auslandshandelskammern und 60 Referenten in zwölf verschiedenen Workshops sorgten für den Erfolg dieser Veranstaltung.

75.000 NRW-Firmen auf dem Weltmarkt aktiv

IHK-Präsident Udo Dolezych war sehr zufrieden über das Erreichte und zeigte sich zuversichtlich, dass die nordrhein-westfälische Exportwirtschaft hierdurch weiteren Rückenwind bekomme. Schon jetzt sind über 75.000 Unternehmen aus NRW auf den Weltmärkten aktiv. Dies seien neben großen auch insbesondere mittelständisch geprägte Familienunternehmen, die die Stütze der deutschen Wirtschaft seien. Durch ihre Flexibilität und hohe Innovationskraft bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen könnten sie am schnellsten auf Veränderungen auf ausländischen Märkten reagieren. Dass NRW mit 176 Milliarden Euro Umsatz wieder Exportmeister 2011 in Deutschland wurde, sei die logische Folge. Dieses Potenzial gelte es weiter zu stärken. Der IHK-Präsident sieht weiterhin große Chancen für die Exportwirtschaft in den aufstrebenden Schwellenländern wie China, Brasilien, Russland und Indien. Aber auch viele andere Staaten mauserten sich mehr und mehr zu Zukunftsmärkten. Beispielhaft nannte er Kenia, Nigeria und Ghana, aber auch Staaten wie Türkei und Vietnam. Dolezych wandte sich gegen jede Form von Protektionismus auf den Weltmärkten. Die zu beobachtende weitere Zunahme von Handelshemmnissen gefährde nach seiner Ansicht den Freihandel. Die argentinischen Exportlizenzen, nach denen in gleichem Maße Ware aus Argentinien exportiert wie importiert werden müssen oder die hohen Steuern auf importierte Fahrzeuge nach Brasilien und letztlich das Exportverbot von bestimmten Rohstoffen aus China, seien nur einige negative Beispiele.

Dolezych bezeichnete die Wetterlage auf den Weltmärkten mitunter als wechselhaft, stürmisch oder sogar rau. Dies gelte derzeit auch für die europäische Nachbarschaft. „Die Schuldenkrise und die Diskussion um die Zukunft des Euro halten uns in Atem. Die Finanzexperten diskutieren die unterschiedlichen Entwicklungsszenarien, und diese führen leider nicht zu einer Stabilisierung, sondern im Gegenteil zu einer Verunsicherung von uns allen. Bei allen Diskussionen um wirtschaftliche Vor- und Nachteile einzelner Staaten darf nicht vergessen werden, dass es hier um das Vertrauen in eine politische Gemeinschaft geht, die unserem Kontinent Frieden und Wohlstand gebracht hat.“

Der Dortmunder IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz betonte, dass die Unternehmen bei der Erschließung der Weltmärkte jederzeit mit der Unterstützung der nordrhein-westfälischen Handelskammern rechnen können. Die IHKs in NRW hätten im Jahr 2011 in mehr als 130.000 Beratungen aktuelle fundierte Informationen zur Verfügung gestellt. Darunter waren 38.000 Anfragen zu Märkten, Marketing, Investitionen und Niederlassungsrecht im Ausland. Da niemand alle Staaten der Welt gleichzeitig und umfassend im Auge behalten könne, hätten die IHKs in NRW eine Arbeitsteilung vereinbart und sich auf die Märkte in bestimmten Ländern spezialisiert. So habe beispielsweise die IHK zu Dortmund eine besondere Expertise für Serbien und die angrenzenden Länder, Aserbaidschan sowie Tschechien.

Auch auf Landesebene sieht Schulz Nordrhein-Westfalen auf einem guten Weg. Die gemeinsam geschaffenen Strukturen mit den Gesellschaften NRW.International und NRW.Invest seien gut und müssten fortgeführt werden. Auch hier seien die IHKs gerne verlässliche Partner. Wie wichtig die Exportwirtschaft für Nordrhein-Westfalen ist, belegen folgende Zahlen: In den vergangenen eineinhalb Jahren lag die Exportquote in Nordrhein-Westfalen stabil bei 43,4 Prozent. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben die nordrhein-westfälischen Unternehmen im internationalen Geschäft 11,5 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Keine Alternative zur Internationalisierung

Einer der Höhepunkte des Außenwirtschaftstages war eine hochbesetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Blickpunkt Europa – Geschäfte mit Aussicht oder ohne Perspektive“. Dabei wurde deutlich, dass es zur Internationalisierung der Wirtschaft keine Alternative gibt. Dr. Michael Arretz, Geschäftsführer der KiK Textilien und Non-Food GmbH, Bönen, sagte für den großen Mittelständer mit Sitz in Nordrhein-Westfalen: „Der strategische Erfolgsfaktor Direktimport aus Asien ermöglicht die günstigen Preise im Textilsortiment, bei Spielzeug und anderen Handelswaren. Allerdings spielt auch Europa eine wichtige Rolle in der Beschaffung. In einzelnen Warengruppen ist der Anteil bei 30 bis 50 Prozent - auch für textile Sortimente. Wenn es um Schnelligkeit und Qualität geht, hat Europa bei einzelnen Warengruppen die Nase vorn.“ Als Handelsunternehmen hat KiK seinen Ursprung in NRW und ist hier mit 541 Filialen vertreten.

Euro muss der Heimtamarkt sein

Heute müsse Europa der Heimatmarkt eines Unternehmens sein, nicht Deutschland. Export sei keine Option, sondern wesentlicher Faktor zur Zukunftssicherung eines Unternehmens, betonte Dr. Theo W. Freye, Sprecher der Geschäftsführung der CLAAS KGaA mbH, Harsewinkel. Für viele Branchen reiche hier auch Europa nicht mehr aus. Man müsse sich auf dem Weltmarkt in den Heimatmärkten der Wettbewerber messen können, ansonsten könne es unangemessene Überraschungen geben. Im Übrigen gelte: Die Welt werde immer transparenter. Wissen sei Dank globaler Vernetzung in Echtzeit verfügbar. Deshalb würden Dienstleistungen und Produkte sich nur begrenzt „regionalisieren“ lassen. „Natürlich bedarf es eines wirkungsvollen Risiko-Managements im Unternehmen. Dabei denke ich nicht nur an Währungskursabsicherung, Kreditversicherungen etc. Viel wirkungsvoller sind ein belastbarer Produktvorsprung und Mitarbeiterkompetenz, die aufgebaut werden wollen“, erläuterte Freye. Bei aller Euro-Schelte: Der Euro habe Europa stark gemacht, Deutschland in besonderem Maße. Die derzeitige Diskussion, z. B. über Griechenland, sei nicht Ziel führend. Es müsse gefragt werden: „Wie stabilisieren wir?“ und nicht „Wie schlagen wir kaputt?“ „Denken Sie einmal 20 Jahre weiter und sehen den US-amerikanischen Wirtschaftsraum vor sich, den asiatischen Raum und ein kleines Resteuropa ohne Biss – so würde dann auch die Firma sein“, so Freye.

Oliver Regner, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Kanton (Guangzhou) und Mitglied der Geschäftsführung der AHK Greater China, stellte erfreut fest, dass Deutschland weltweit einen Spitzenplatz unter den Exportnationen belege. Zu verdanken habe man dies der Tatkraft seiner Unternehmen. Die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) würden diese in 80 Ländern an 120 Standorten mit einer breiten Service-Palette unterstützen. Jede IHK auf dem Globus sei heute mit Nordrhein-Westfalen verbunden. Die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Bundeslandes mache sich so bemerkbar. Nicht nur die Firmen, sondern auch die Geschäftspartner würden für den Standort NRW werben. Zudem hätten viele Mitarbeiter in NRW studiert oder gearbeitet und zeigten so ihre beständige Verbundenheit.

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